Websiten unter der ...privat und unabhängig ... 2005 - 2020 J.Kampe “Kalter Krieg in der Ostsee” ein Film des NDR, Redaktion Fernsehen “Nordmagazin”   ausgestraht am 09.02.2014 Nachrichtenbunker wird Führungsbunker Bunker Eichenthal wird Führungsbunker für Angriff auf Dänemark Eine Sendeeinrichtung des öffentlichen Rechts vermittelt dem Zuschauer Ein-blick in ihre Arbeit. Und in was für eine ?. Ein Team der Redaktion Fernsehen drehte Aufnahmen im Bunker Eichenthal, fertigte einen Kommentar dazu und schon wird aus einem Nachrich- tenbunker ein Führungsbunker, aus dem geplante Angriffsvorbereitungen “einer” Flotte gegen Dänemark geführt werden sollten. Glaubhaft soll das eine “Arbeitskarte FEK” vermitteln, die weder einen Bestätigungs- noch Geheimhaltungsvermerk trägt. Nur, die- se Karte zeigt Ostseeausgänge des NATO- Kommandos mit Anteilen des Jütländischen Armeekorps. Eingezeichnet, Stellungen, Peil- und Aufklärungsstationen der NATO. Und diese waren Bestandteile des FEK (Funk Elektronischer Kampf), wie es in der Überschrift der Karte heißt. Dazu gehörte die Funkgegenwirkung gegen die Küstensicherung der DDR und ihre Volksmarine. Von den geplanten Angriffsvorbereitungen der Seite “rot” ist auf der Karte absolut nichts zu sehen. Was soll damit ausgesagt werden ?. Eine Arbeitskarte, die sich bis 1990 niemals im Bunker befand. Wie soll man den Aussagen des Kommentars glauben schenken ?. Eine Darstellung nach alten Mustern in der Berichterstattung über die DDR und ihre NVA. Berichtet wird wie gewollt und die Interessenlage von Machern wird befriedigt. Für ehemalige Angehörige der NVA nichts Neues, der unbedarfte Zuschauer glaubt was er zu sehen be- kommt. Er dürfte mit den kritischen Anmerkungen dieser Webseite er- kennen, das hier etwas nicht stimmt und wie man in der Medienland- schaft arbeiten kann. Alle gemeinsam sind wir Gebührenzahler für Din- ge, die so nicht den Tatsachen entsprechen. Die Quellen liegen im kon- kreten Fall sicher nicht beim Betreiber des Bunkers in Eichenthal. Von dort kommen zwar viele Märchen und Storys, doch ist zu bezweifeln, dass der Betreiber während der Fernsehaufnahmen wusste, welche Kommentarinhalte die Redakteure dem Dreh- buch zugeordnet hatten.  Und es geht noch weiter ! Eine zweite Arbeitskarte wird bei 05:15 sec. eingeblendet. Eine Landkarte mit vielen taktischen Zeichen, Pfeilen und Stellungen von Truppen beider Seiten im Ostsseeraum. Eine Karte ohne Namen (Überschrift), ohne Bestätigungs- und Ausarbeitungsvermerk, ohne  Geheimhaltungsgrad. Eine Karte, der jegliche Authentizität abzusprechen ist. Stellungen und Angriffsrichtungen beider Seiten sind “rot” dargestellt. Das entsprach niemals dem NVA- Standart. Fehlende tak-tische Zeichen für Gefechsstände der Vokmarine der DDR und der Landstreitkräfte der NVA im Raum Kiel. Vorhandene entsprechen nicht denen der NVA und der Koalitionsstreitkräfte des Warschauer Vertrages. Es ist eine topografische Kar-te, wie sie bei der NVA niemals Standart war.        ... bei 00:20 sec., Kommentar, Zitat: „..von hier aus wäre die Flotte geführt worden, der Bunker 302 der Volks-marine in Eichenthal „ , Zitat Ende. Richtigstellung: Welche Flotte ist gemeint, die Volksmarine der DDR, die Seekriegsflotte Polens, die Baltische Rotbannerflotte oder die Vereinten Ostseeflotten ?, 1. Einen Bunker 302 gab es nicht. Es gab nur eine Troposphären-Funkstation 302, im Nachrichtensystem der NVA als Stütznachrichtenzentrale 302 bezeichnet,   2. Die Station gehörte nicht zur Volksmarine. Sie gehörte zu den zentralen Einrichtungen des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR. 3. Die Station war keine Führungsstelle, sondern ein reines Nachrichtenobjekt (Fernmeldeobjekt). Zur Besatzung gehörte nur technisches Personal (nach Mobilmachung     rd. 60 Personen, kein operatives Führungsperonal) 4. Die Aufgabe, Herstellen, Halten und Betreiben einer Troposphären- Funkverbindung und Weiterschaltung gebildeter Nachrichtenkanäle über herkömmliche Nachrich-     tenmittel zu den z.T. weit entfernt liegenden Führungsstellen. Mit der Übermittlung von Informationen, weder in mündlicher noch schriftlicher Form, hatte die Besatzung     absolut nichts zu tun. 5. Die Führung der Flotte (gemeint Volksmarine der DDR) erfolgte aus dem TGS (Täglicher Gefechtsstand in Rostock Gehldorf) oder aus dem HGS bei Tessin (HGS-     Hauptgefechtsstand) im Falle militärischer Auseinandersetzungen. ... bei 06:00 sec. Einblendung einer Namensliste aus irgendeinem Dienst- oder Arbeitsbch, gehört nicht zum Bunker Eichenthal Richtigstellung: 1. Gelistete Personen/ Dienststellungen haben niemals im Bunker existiert. Die Personen hinter den Dienststellungen hatten bis 1990 keine Kenntnis von der Existenz des Bunkers.  2. Es gab keine Gruppe Flugsicherung, keine  ATZ (Automatische Telefonzentrale), keinen Diensthabenden AIZ (Auswerte- und Informationszentrum), keinen DNF (Diensthabender Nachrichten/ Flugsicherung), um nur wenige zu nennen. 3. Die Liste wurde offensichtlich einer Führungstelle der LSK/LV (Luftstreitkräfte/ Luftverteidigung) entnommen (FuTB 31- Funktechnisches Bataillon 31) und soll als Beweis herhalten, das der Bunker eine Führungsstelle/ Gefechtsstand war. Ein Arbeitskarte mit der Überschrift FuTB 31 wird in Eichenthal vorgehalten und präsen- tiert. Sie hat mit dem Bunker Eichenthal nichts gemein.  ... bei 06:06 sec., Kommentar, bezogen auf einen atomaren Gegenschlag, Zitat: „Der Bunker Eichenthal wurde von 1983-1986 genau dafür gebaut. Von hier aus sollten die Truppen während eines Atomkrieges geführt werden“, Zitat Ende. Richtigstellung: 1. Es gab weder Truppen noch eine Flotte ? die vom Bunker Eichenthal zu führen waren, 2. Der Bunker wurde erst 1988 fertiggestellt. Er ging als letzter Bunker der DDR im Troposphären- Nachrichtensystem in Betrieb, ein Jahr später als die beiden anderen     Bunker gleicher Zweckbestimmung. Von vier möglichen, war nur ein Troposphären- Funkgerätesatz  installiert, 3. Der Bunker wurde nicht für einen atomaren Gegenschlag gebaut. Seine Errichtung diente der Erhöhung von Standhaftigkeit und Zuverlässigkeit des Nachrichtenver-     verbindungssystems in einem möglichen Kernwaffenkrieg, in dem beide Seiten die Anwendung von Kernwaffen nicht ausschlossen, 4. Aus dem Bunker wurden Nachrichtenkanäle zum HGS (Hauptgefechtsstand) der Volksmarine der DDR geschaltet. Nach der Installation weiterer Tropsphären- Funk-     gerätesätze bestand die Aufgabe zur nachrichtentechnischen Führungsunterstützung der 5.Armee der NVA im Bestand einer Front aus NVA und GSSD. 5. Die Troposphären- Funktechnik in ihrer Gesamtheit bot die Möglichkeit im Falle von Atomschlägen Nachrichtenverbindungen aufrecht erhalten zu können. Siehe     entsprechende Ausführungen bei Wikipedia “Einsatz im Kernwaffenkrieg”  Aktuelle Literatur zum Thema:  “Das Troposphären- Nachrichtensystem BARS und die Bunkeranlage Wollenberg”, erschienen 2013 im Projekt+Verlag Dr. Erwin Meißler, ISBN 978-3-932566-90-5   Schlussbetrachtung: Eine Filmdokumentation, deren Kommentar in Teilen nicht zu den Filmszenen passt und unwahr ist. Gemeint sind alle Aussagen zur Troposphären- Funkstation Eichen- thal als Führungsstelle für Angriffsplanungen der DDR gegen Dänemark. Dargestellte Arbeitskarten haben mit dem Bunker nichts zu tun, gaukeln den Zuschauern vor, was so im Bunker niemals existierte. Es sind keine Beweise für geplante Angriffshandlungen. Dem Film fehlen Objektivität und Realitätsnähe. Ge-schichtliche und militärische Sachverhalte sind auf den Kopf gestellt. Die Diplomarbeit eines Hörers der Militärakademie Dresden von 1973 muss herhalten. Das die DDR niemals ohne ihre Verbün-deten hätte planen können, erst recht nicht durchführen, bleibt weitestgehend unbeachtet. Die DDR wird als sellbständig und außerhalb der Koalition handelnt, dargestellt. Damit wird ihre Rolle und Geschichte falsch in Szene gesetzt. Der Beitrag ist oberflächlich erarbeitet. Gut, das es noch Zeitzeugen gibt, die den Filmemachern auf die Finger schauen und ihre Kritik wenigstens hier im Netz noch an Mann bringen können. Auch gegenüber der Sendeanstalt hat es an Kritik nicht gemangelt. Erst auf eine vierte Eingabe hat die Redaktion “Nordmagazin” am 16.Juli 2014 mit einer Antwort rea- giert, die in keiner Weise auf die Inhalte der Kritik eingeht. Enthalten sind allgemeine Bemerkungen zur Quellenlage und zur ablehnenden Haltung fast aller Zeitzeugen, mit der Redaktion zu sprechen. Da sich auch anderenorts Widerstand gegen den Inhalt des TV- Beitrages regte, willigte die Redaktion zu einem Gespräch ein. Es fand am 22.Oktober 2014 in Sanitz statt. Redaktion und der Chef vom Dienst Fernsehen/Aktuell des Landesfunkhauses MV erklärten ihre Sicht der Dinge und räumten Mängel ein. Über beabsichtigte Aktivitäten, in deren Verlauf Korrekturen vorgesehen sind, wurde der Gesprächskreis informiert. Das Gespräch fand in einer offenen, kri- tischen und konstruktiven Atmosphäre statt. Der Austausch u.a. von Gedanken zum Wertebegriff der Wahrheit zeigte jedoch ein heutiges Dilemma. Dank den Betreibern des Tradi- Kabinettes der ehemaligen 43.Flaraketenbrigade der NVA, die auch für den Vertreter des Militärhistorischen Vereins Demen e.V und mich, nette Gastgeber waren. Als Schlussfolgerung bleibt mir im Nachgang festzstellen, dass der Wertebegriff der Wahrheit aus den verschiedensten Gründen heraus, seinen es individuelle, wirt- schaftliche, politisch- ideologische oder andere, in der Gesellschaft langsam zu verkommen scheint. Am 06.April 2015, nach mehr als einem Jahr, kann zur Kenntnis genommen werden, dass der TV- Beitrag nicht mehr in der Videothek vorgefunden wird.